Passionsandacht in der Woche nach Lätare

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7 Wochen ohne Pessimismus

Meine Zuversicht ist bei Gott

Einstimmung und Begrüßung

Guten Tag! Zwei oder drei Menschen aus unserer Kirchengemeinde haben gefragt, ob man nicht die Passionsandacht ins Netz stellen könne – jetzt, wo die Kirche in Sohren geschlossen steht.

Versuchen wir es also! Vielleicht zündet ihr euch noch eine Kerze an, legt die Bibel aufgeschlagen davor, etwas anderes schönes noch dabei – was zu euch gehört, euch gut tut, zu euch spricht, was euch ruhig werden lässt.

Heute lautet die Überschrift: »Meine Zuversicht ist bei Gott« Wir sprechen nicht von Optimismus. Oder von dem berühmten Lichtlein, das von irgendwoher kommt – Wir sprechen von der Zuversicht, die in der Stille wächst. Davon handelt ein altes Gebet. Wir können es gemeinsam sprechen:

Psalm 62

2 Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.
3 Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz,
dass ich gewiss nicht wanken werde.

4 Wie lange stellt ihr alle einem nach,
wollt alle ihn morden, als wäre er eine hangende Wand und eine rissige Mauer?

5 Sie denken nur, wie sie ihn von seiner Höhe stürzen,
sie haben Gefallen am Lügen; mit dem Munde segnen sie,
aber im Herzen fluchen sie. Sela.

6 Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele;
denn er ist meine Hoffnung.

7 Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz,
dass ich nicht wanken werde.

8 Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, /
der Fels meiner Stärke,
meine Zuversicht ist bei Gott.

Auslegung 1: Biblischer Beter, belagert

Wir haben einen Psalm miteinander gebetet. Der biblische Beter fühlt sich wie belagert. Man will ihm wirklich nicht wohl. Eine Verfolgungssituation. Der Beter kennt seine Gegner, »sie« setzen ihm nach, texten ihn zu, noch dazu mit Segenssprüchen aller Art. Er aber macht sich da nichts vor: »Sie« wollen ihn zu Fall bringen. »Sie« bedienen sich der Verstellung wie einer Kunst, die es zu perfektionieren gilt, rein um der Kunst willen: »Sie haben Gefallen am Lügen.« Und was wollen »sie« wirklich und wahrhaftig? Der Beter spricht »sie« direkt darauf an und fragt: »Ihr alle, wie lange wollt ihr morden?«

So schauts aus: Letztendlich wollen »sie« ihm nicht nur ans Leder, sondern auch ans Leben. Und es schaut auch so aus, als stünden »sie« kurz vor dem Ziel ihrer Wünsche. Denn schon jetzt schaut der belagerte Beter aus »wie eine gestoßene Wand, eine umgestürzte Mauer.« Also, wenn man sich anschaut, wie »sie« gegen ihn anstürmen, dann schauts schon so aus. Gleichsam kurz nach zwölf.

Trotzdem! Der Beter hält dagegen. Sucht das Gespräch mit den Gegnern: »Wie lange stellt ihr alle einem nach, / wollt alle ihn morden?« Ist es nicht Wahnsinn, mit so vielen gegen einen vorzugehen, wieder und wieder letztlich dasselbe zu tun und dann noch unterschiedliche Resultate sich davon zu erwarten?

So geht freie Rede!

Zu Gott aber ist er stille. Oder will es doch sein. Manchmal gelingts, manchmal nicht. Da muss er Disziplin halten, darf sich vom eigenen Versagen nicht erschrecken lassen, muss sich auf Kurs halten. Und so bekennt er dann:

»Zu Gott allein ist stille meine Seele« Oder ermahnt sich selbst: »sei stille meine Seele«

Bedeutet: Die Angst flüstert und wispert einem manches ein, hat ihre Netze und Kanäle Aber ich will alles von Gott erwarten, stille halten, warten, bis ER spricht, lauschen, was er zu sagen hat. Denn, so bekennt der Beter dann zwei Mal:

»Er allein ist mein Fels und meine Hilfe, / meine Burg, nie werde ich wanken.«

Bedeutet: Selbst, wenns so ausschaut, als wäre ich eine belagerte Festung kurz vor dem Fall – bin ichs doch nicht. Gott selbst ists. Eine feste Burg, meine Rettung. Weshalb es auch nichts bringt, noch länger dagegen anzustürmen. Weshalb man jetzt auch einmal damit aufhören könnte, wieder und wieder denselben Kram zu machen und sich unterschiedliche Resultate zu erwarten.

Versöhnungslitanei von Coventry›

Gemeinsam beten wir die Versöhnungslitanei von Coventry. Bitte Sie|Euch, mit dem Ruf »Vater vergib!« zu antworten:

»Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.« (Röm 3, 23)

Wir alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten. Darum laßt uns beten:

Vater, vergib!

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse:

Vater, vergib!

Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker, zu besitzen, was nicht ihr eigen ist:

Vater, vergib!

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet:

Vater, vergib!

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen:

Vater, vergib!

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Heimatlosen und Flüchtlinge:

Vater, vergib!

Den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet:

Vater, vergib!

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf dich:

Vater, vergib!

Lehre uns, o Herr, zu vergeben und uns vergeben zu lassen, dass wir miteinander und mit dir in Frieden leben. Darum bitten wir um Christi willen.

»Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einem dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.« (Eph 4, 32)

Lied: Ein feste Burg ist unser Gott

Miteinander singen wir zu dem Gott, der unsere Burg ist. Wir müssen also nicht selbst der Belagerung stand halten.

1. Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind
mit Ernst er's jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

2. Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit' für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten.

3. Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie sau'r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht':
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Lesung: Mk 12,28-34 Die Frage nach dem höchsten Gebot

28 Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5. Mose|Deuternomium 6,4-5). 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose|Levitikus 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. 32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm; 33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34 Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Auslegung II: Jesus und die Stille des Morgens

In der Passionszeit, selbst in diesem Jahr, denken wir an Jesus, sein Leiden, sein Sterben, seinen Tod.

Dazu gehörte für Jesus: Sich im Tempel einer breiten Front gegenüber zu sehen. Den »Hohepriestern, Schriftgelehrten und Ältesten« (Mk 11,27 im Folgenden: »sie«). Jesus stellte die Machtfrage, folglich hatte er sich mit den damals führenden Männern auseinander zu setzen. »Sie« stellen ihm Fragen, unterziehen ihn einer Inspektion, fragen nach der Berechtigung seiner Worte und Taten. Dabei haben »sie« ihm sein Recht doch schon längst abgesprochen Man könnte sogar sagen: »Sie« halten erst durch derartige Absprachen zusammen

Jesus hält dagegen. Antwortet »gut«, mit Freiheit und Weisheit wie »nicht von dieser Welt«. Und bewirkt damit, wie wenigstens einer ausschert aus dem Block der Schriftgelehrten und endlich einmal eine ernst gemeinte Frage stellt. So eine, die mit dem eigenen Leben wirklich und wahrhaftig zusammen hängt.

Wenn Freiheit und Weisheit »nicht von dieser Welt« stammen, woher dann?

Das Markusevangelium erzählt vom Anfang der öffentlichen Wirksamkeit Jesu: »Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.« (Mk 1,35)

Jesus selbst ging in die Stille, nahm sich Auszeiten, suchte die Einsamkeit und öffnete sich dort für Gott.

Freilich, endlich, schrecklich: Karfreitag! Finsternis, Schrecken, Einsamkeit. Gott hüllt sich in Schweigen. Das überbrüllt die Stille dieser Morgenstunde. Und das will erst einmal ausgehalten werden bis der Ostermorgen anbricht und mit ihm eine neue Welt.

Was nehme ich mit in die nächsten Zeiten, wo nicht nur biblische Beter sich wie belagert fühlen?

»Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft« Zu Gott! Mit allen und allem anderen will ich frei sprechen. In der Zuversicht, dass in der Stille mir Feiheit und Weisheit zuwachsen. In dieser Zuversicht will ich Morgen für Morgen aufstehen, mit Jesus hinausgehen, an eine einsame Stätte und beten.

Lied: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

Wir singen das Lied Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht. In der rheinischen Ausgabe des Gesangbuches findet es sich unter der Nummer 591

Dadurch bekennen wir miteinander unsere Zuversicht zu Gott. Zu dem Gott, der die Stimmen der Angst verstummen lässt. Zu dem Gott, das Schweigen der Todesstunde mit seinem schöpferischen Wort durchbricht.

Fürbitten und Vaterunser

Wir beten für uns und für andere:

1. Gott, zu allen Menschen bleibst du in Kontakt,
gehst nicht auf Abstand, bewahrst ein fühlendes Herz.
Denn du selbst bist den Weg des Leidens zu Ende gegangen,
durch den Tod hindurch zum Leben.

2. Wir fürchten um unser Leben,
wenn wir hören und sehen,
was Menschen aushalten müssen,
was ihnen zugemutet wird.
Wir erschrecken und hoffen, dass es uns nicht trifft.

3. Wir möchten glauben, dass du auch dann bei uns bist,
wenn wir Angst haben, wenn wir Schmerzen haben,
wenn wir mit uns nicht zurecht kommen.

4. Wir bitten dich für die Menschen,
die den Tod auf sich zukommen sehen:
Lass Zuversicht wachsen und Angst kleiner werden.

5. Wir beten für die Menschen, die in Ungewißheit leben,
die sich von Spannungen wie zerrissen fühlen:
Gib ihnen deinen Frieden, / der alle Vernunft übersteigt.

6. Wir rufen dich an für die Verbitterten,
denen über ihrem Schicksal das Vertrauen zerbrochen ist:
komm ihnen mit deiner Liebe spürbar nahe.

8. Gott, wenn wir uns nicht mehr auskennen,
wenn wir nicht mehr über alles Bescheid wissen wollen,
wenn wir aufhören, überall mitreden zu wollen:
dann segne uns in der Stille, in der sich deine Liebe erneuert als Geheimnis dieser verängstigten Welt.
Gott, hilf uns stille stehen
und lass uns verstehen, welche Wege wir mit dir beschreiten können.

In der Stille nennen wir Gott die Namen der Menschen, die uns am oder auf dem Herzen liegen

Stille

Gemeinsam beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel…

Lied

Wir singen das Lied Verleih uns Frieden gnädiglich. »s findet sich im Gesangbuch unter der Nummer 421

Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.

Segen

Und wenn ihr jetzt wieder in die Zeit geht, geht mit dem Gott, bei dem ihr zur Ruhe kommt, der euch Tag für Tag neu belebt und bewegt.

Der Herr segne dich und behüte dich!
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.!

Sohren, 25.März.2020 19 Uhr

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