Andacht in der vierten Woche vor Pfingsten

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Siehe, um Trost war mir sehr bange

Von Ängsten und Hoffnungen

Einstimmung und Begrüßung

Guten Tag! Schön, dass Sie wieder dabei sind. Pfingsten rückt immer näher. Und höchstwahrscheinlich stehen die Kirchen bald wieder offen…
… und da werden wir es mit der Frage zu tun bekommen: Wie viel Platz ist in unserer Kirche? Und, wenn ja: Wofür?

Ja, will man sagen: Für Trost und Tröstliches soll Platz in einer Kirche sein. Für Trost, der über den Tag hinaus reicht. Für Trost, der uns leben und wieder aufleben lässt. So als Stütze, Stärke und Mut. Ja, da kann einem manchmal wirklich angst und bange werden um solchen Trost.

Psalm 127

Miteinander beten wir aus Gottes Wort. Bitte, mit den eingerückten Zeilen zu antworten.

Wenn der HERR nicht das Haus baut,
so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,
so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht
und hernach lange sitzet
und esset euer Brot mit Sorgen.

denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN,
und Leibesfrucht ist ein Geschenk.

Wie Pfeile in der Hand eines Starken,
so sind die Söhne der Jugendzeit.

Wohl dem, der seinen Köcher mit ihnen gefüllt hat!
Sie werden nicht zuschanden,
wenn sie mit ihren Feinden verhandeln im Tor.

Versöhnungslitanei von Coventry›

Gemeinsam beten wir die Versöhnungslitanei von Coventry. Bitte Sie|Euch, mit dem Ruf »Vater vergib!« zu antworten:

»Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.« (Röm 3, 23)

Wir alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten. Darum laßt uns beten:

Vater, vergib!

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse:

Vater, vergib!

Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker, zu besitzen, was nicht ihr eigen ist:

Vater, vergib!

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet:

Vater, vergib!

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen:

Vater, vergib!

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Heimatlosen und Flüchtlinge:

Vater, vergib!

Den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet:

Vater, vergib!

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf dich:

Vater, vergib!

Lehre uns, o Herr, zu vergeben und uns vergeben zu lassen, dass wir miteinander und mit dir in Frieden leben. Darum bitten wir um Christi willen.

»Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einem dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.« (Eph 4, 32)

Lesung: Der Heilandsruf Jesu

Wir hören das Evangelium: Der Heilandsruf Jesu. Es steht Mt 11,28-30.
Viele Menschen wünschen sich Ruhe und Ordnung. Oder, wenigstens einmal am Tag zur Ruhe zu kommen. Das ist so und da ist nichts schlechtes daran. Es gibt unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen.
Was wir alle brauchen: Dass unser innerer Mensch mitkommt bei all’ dem, was geschieht. Dass auch er Zeit hat, zu sehen und zu verstehen. Wir sprechen von der »Seelenruhe«. Viele Menschen suchen sie in unterschiedlicher Art und Weise. Jesus ruft die Menschen zu sich. Bei ihm kann man fündig werden. Was die Seelenruhe betrifft.

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. 26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

… Du Aber
hast Dich meiner Seele herzlich angenommen!

Es war einmal vor Jahr und Tag, in einem Kloster. Wir waren sieben Evangelische Pfarrpersonen auf ökumenischer Bildungsreise, unter Leitung von – nennen wir ihn mal »Rüd« wie Alpha oder Rüdiger. Kommt einer der Gastgeber herein. Erst geht es über die Gottesgelehrsamkeit hier und da, dann über das Leben im Kloster, das sei doch ein wunderbarer Ort spirituellen Lebens, so in aller Abgeschiedenheit von der Welt… »Leider nicht«, meint da der Pater Wolfgang, »auch wir haben leider jemand, der absolut uneinsichtig ist.« Wolfgang erzählt weiter, die ganze Geschichte. Spricht von seiner Angst um die Gemeinschaft. Er wolle sich das Leben ohne seine Gemeinschaft gar nicht vorstellen müssen!

»Ja, wir haben auch so unsere Probleme!«, lässt sich der Rüd da vernehmen. »Nicht zu knapp…« Er beginnt mit dem Einbruch der Kirchensteuern, hangelt sich weiter zur Suche nach tragfähigen Strukturen und Perspektiven und, nicht zu unterschätzen: Die nachhaltigen Lösungen müssten schließlich sensibel kommuniziert werden. Alle sollten mitgenommen werden.

An diesem Punkt der Geschichte fange ich an, den Abwasch zu machen. Zum Glück findet das Gespräch in einer Küche statt.

Nachher spreche ich Rüd an, warum ausgerechnet jetzt er von unseren Strukturproblemen hatte berichten müssen? War das ein dunkler Zwang, willst du drüber sprechen? Nein, so kommt die überraschende Antwort! Er habe trösten wollen. Für ihn wär das immer tröstlich, nicht der einzige mit Problemen zu sein. Was willstu da machen? Selber zum Problem werden? (Durch den Hinweis zum Beispiel: nicht jedes Problem spiele in derselben Liga. Weshalb man folgerichtig zwischen Trost und Trost unterscheiden müsse.)

Meine Großmutter mütterlicherseits, zum Beispiel! Sie sang, immer mal wieder: »Heile, heile, Gänschen, es wird schon wieder gut.« Hat geholfen, weniger wegen des Inhalts, als vielmehr wegen ihrer wunderschönen Stimme und ihrer großartigen Haltung. Weshalb die Erinnerung an sie immer noch aufrichtet, stärkt und mutig macht. Mit einem Wort: Der Gedanke an Oma tröstet noch immer.
Oder der an Otto Waalkes, nur zum Beispiel! Sein berühmtes »Wort zum Sonntag« mit dem Millionär, der sich grämte, weil ihm der Rasierpinsel abhanden gekommen war: »Tröste dich, es gibt Menschen, die haben noch nicht einmal einen Bart!« Darüber kann ich immer noch herzhaft lachen. Obwohl ich kein nostalgischer Typ bin. Obwohl mir da oft genug der Spiegel vorgehalten wird. Das Lachen gilt also oft genug mir selbst! Was dann wiederum tröstet, weil es locker macht und Anreize zur Weiterentwicklung schafft.
Und, schließlich und endlich finde ich Psychologen tröstlich, die keck behaupten, das größte Glück im Leben sei das Lernen! Wohl gemerkt: Lernen im Sinne der Bildung von Herz, Hirn und Hand, Haltung und Verstand.Wie hieß es früher bei der Prüfung der Konfirmanden und Konfirmandinnen?

Da wurde früher oft gefragt: »Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?« Und dann lautete die Antwort: »Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.«

Da kann man lange darüber nachdenken. Da muss man lange darüber nachdenken, um es zu verstehen und zu erfassen. Wenn es einem denn überhaupt in diesem Leben gelingt. Aber darin eben besteht das Tröstliche dieser alten Worte: Sie begegnen einem immer wieder neu. Sie werden von selbst immer wieder neu konkret.
Und sei es durch das Flugzeug, das über dem Friedhofskapelle auftaucht – gerade in dem Augenblick, als die Feuerwehrkapelle ihrem Kameraden den Fliegermarsch spielt; das Stück, das er im vergangenen Jahr noch dirigierte, als sie ihm ein Ständchen zum 50. Geburtstag brachten. Der Motor der alten Antonov ächzt, brummt und röhrt und unterlegt die Blasmusik, der Pilotenmensch wackelt mit den Flügeln und das Gewebe der Wirklichkeit zerreißt. Für einen winzigen, einen ewigen Augenblick lang war zu merken: Das Leben ist eben doch mehr als die letzte Gelegenheit. Es speist sich aus einer Quelle, die ist nicht von dieser Welt. Lasst uns miteinander zu dieser Quelle gehen!

Bekenntnis des Glaubens

Ich lade dazu ein, einige Sätze der Zuversicht zu sprechen. Dietrich Bonhoeffer hat sie vor Jahr und Tag im Gefängnis formuliert; unter der Überschrift »Einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte«.

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will,wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete wartet und antwortet.

Lied: Wer nur den lieben Gott lässt walten

Wir singen das Lied »Wer nur den lieben Gott lässt walten«. Im Gesangbuch findet es sich unter der Nummer 369
Es bestärkt uns darin, das zu tun, was uns vor die Hand kommt und es als Investition in die Zukunft zu verstehen.

1. Wer nur den lieben Gott läßt walten
und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

2. Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, daß wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur größer durch die Traurigkeit.

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verläßt er nicht.

Fürbitten und Vaterunser

Lasst uns für uns und für andere beten!

Lasst uns füreinander und für alle Menschen beten,
dass Gott uns gnädig sei:

Gemeinde: Höre unser Gebet.

Lasst uns darum bitten,
dass sich das Denken der Menschen erneuert
und sie dadurch Gottes Willen erkennen können.
Lasst uns auch beten für alle,
die verantwortlich sind im Staat und in der Gesellschaft.
Lasst uns beten für die Männer und Frauen,
die Entscheidungen für unsere Orte treffen.
Gott, in deinem Erbarmen:

Gemeinde: Höre unser Gebet.

Lasst uns beten für die Menschen,
die von Gefahren bedroht sind, und für alle, die leiden.
Lasst uns beten für ein menschenwürdiges Sterben
und dass alle, die Gott vertraut haben,
für immer bei ihm geborgen sind.
Gott, in deinem Erbarmen:

Gemeinde: Höre unser Gebet.

Lasst uns Gott bitten für seine Kirche,
dass er sie fest an ihren Herrn bindet,
Lauheit und Halbherzigkeit austreibt,
damit sie ihm glaubwürdig dient
und sich eindeutig für die Rechte der Menschen einsetzt.
Lasst uns Gott bitten,
der Kirche den Heiligen Geist zu senden,
den Geist der Liebe und der gerechtigkeit,
der Wahrheit und der Freiheit,
damit sie durch ihre Worte und Taten hilft,
die Finsternis von Hunger und Armut,
Ungerechtigkeit und Unfreiheit zu vertreiben.
Gott, in deinem Erbarmen:

Gemeinde: Höre unser Gebet.

Tritt für uns ein, erbarmender Gott, wenn wir scheitern.
Richte uns auf, wenn wir verzagt sind.
Gib uns den Frieden, der allein von dir kommen kann,
und leite uns auf den Weg der Wahrheit.

Vater unser im Himmel…

Lied: Der Mond ist aufgegangen

Wir singen das Lied »Der Mond ist aufgegangen«. Im Gesangbuch findet es sich unter der Nummer 482
Ein Lied, das uns zur Ruhe kommen lässt.
Den kompletten Text finden Sie hier.

1. Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

5. Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

7. So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen.
Und unsern kranken Nachbarn auch!

Segen

Und wenn ihr jetzt wieder in die Zeit geht, geht mit dem Gott, bei dem ihr zur Ruhe kommt, der euch Tag für Tag neu belebt und bewegt.

Der Herr segne dich und behüte dich!
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.!

Sohren, 6. Mai 2020 19 Uhr

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