Andacht in der vierten Woche vor Pfingsten

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Nah’ beim Wunder gebaut!

Vom Singen und Spielen

Einstimmung und Begrüßung

Guten Tag! Schön, dass Sie wieder dabei sind. Am Sonntag können wir uns sogar in der Kirche sehen
… aber nur eingeschränkt hören. Heute meinte eine Freundin zu mir: »Gottesdienst ohne Gesang? Was ist das denn?« Ein Anfang, will man da sagen ‐ hoffentlich in die richtige Richtung. (Weshalb wir der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz noch einen Brief schicken werden. Mit ein paar Vorschlägen für die nächste CoBeLVO ‐ denn die gibt’s noch viel sicherer als das Amen in der Kirche!)

Wir könnten es dramatisch formulieren: Eine Gemeinde ohne Gesang droht, sang- und klanglos unterzugehen. Wäre jedoch zu dramatisch, vielleicht sogar falsch! Schließlich ist unseren Gottesdienst verheißen, Teil der Liturgie zu sein, die Himmel und Erde miteinander verbindet. Schwer vorstellbar, aber auf keinen Fall ohne Gesang! Außerdem: Viele Menschen haben in den vergangenen Wochen erlebt, wie in ihnen ein neues Lied in ihnen angestimmt wurde.
Weshalb wir lieber behaupten wollen: Nah’ beim Wunder gebaut ist die singende Gemeinde!

Psalm 150

Miteinander beten wir aus Gottes Wort. Bitte, mit den eingerückten Zeilen zu antworten.

Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum,
lobet ihn in der Feste seiner Macht!

Lobet ihn für seine Taten,
lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!

Lobet ihn mit Posaunen,
lobet ihn mit Psalter und Harfen!

Lobet ihn mit Pauken und Reigen,
lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!

Lobet ihn mit hellen Zimbeln,
lobet ihn mit klingenden Zimbeln!

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!
Halleluja!

Versöhnungslitanei von Coventry›

Gemeinsam beten wir die Versöhnungslitanei von Coventry. Bitte Sie|Euch, mit dem Ruf »Vater vergib!« zu antworten:

»Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.« (Röm 3, 23)

Wir alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten. Darum laßt uns beten:

Vater, vergib!

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse:

Vater, vergib!

Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker, zu besitzen, was nicht ihr eigen ist:

Vater, vergib!

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet:

Vater, vergib!

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen:

Vater, vergib!

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Heimatlosen und Flüchtlinge:

Vater, vergib!

Den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet:

Vater, vergib!

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf dich:

Vater, vergib!

Lehre uns, o Herr, zu vergeben und uns vergeben zu lassen, dass wir miteinander und mit dir in Frieden leben. Darum bitten wir um Christi willen.

»Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einem dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.« (Eph 4, 32)

Tagesgebet

Lasst uns beten!

Vater,
dein Geist schafft es,
dass deine Gemeinde mit einer Stimme
dir dankt und dich lobt.
Sende auf uns herab deinen Geist,
nimm von uns unsere Mühsal,
stimme in uns an ein neues Lied,
erfülle uns mit deiner Gegenwart.
Durch Christus, unseren Retter und Bruder,
den wir bekennen als Herrn im Heiligen Geist.
Amen.

Lesung: Der Kirchentag des Königs Salomo

Vor ungefähr dreitausend Jahren: Nach siebenjähriger Bauzeit hat König Salomo in Jerusalem einen Tempel errichten können. Endlich kann das Gotteshaus eingeweiht werden! Der König lädt das ganze Volk Israel ein, dazu in die Hauptstadt zu kommen. Alle zwölf Stämme – das hat dann schon etwas von Kirchentag! Was genau, das wird im fünften Kapitel des zweiten Buches der Chronik berichtet:

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. 6 Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte. 7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, 8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. 9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. 10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen. 11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte –, 12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Nah’ beim Wunder gebaut!

Nach sieben Jahren Bauzeit war es endlich so weit! Endlich kann der neu errichtete Tempel eingeweiht werden. König Salomo lädt ganz Israel nach Jerusalem ein, alle zwölf Stämme, und alle folgen sie, mit ihren Ältesten und Oberhäuptern.

Diese Tempelweihe hat etwas von Kirchentag! Viele verschiedene Menschen, Jede Menge Priester und Nicht-Ordnierte! Vier Hilfspriester tragen die Bundeslade in das Allerheiligste. Da sollen die beiden Steintafeln liegen, die Gott, der HERR, dem Mose am Sinai übergeben hat, mit dem Text der zehn Gebote, als Grundlage für den Vertrag zwischen Ihm und Israel.

Es werden unfassbar viele Schafe und Rinder geschlachtet. Als Opfer an Gott, den HERRN. Als Sonntagsbraten für die Feiernden.

Diese Tempelweihe des Salomo, dieser Jerusalemer Kirchentag - dieser Tag verspricht, unvergesslich zu werden.

Doch dann, da geschieht noch etwas mehr!

Die Leviten singen; Becken werden geschlagen, Harfen, Lauten und andere Instrumente erklingen; 120 Priester blasen dazu ihre Trommpeten… Da geschieht etwas! »… und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN« (2. Chronik 5,13) Über der großen, der versammelten Festgemeinde schwebt das große Lob Gottes: »Der HERR ist gut zu uns, seine Liebe hört niemals auf!«. Und dann – Wunder über Wunder! – »da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, so dass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes« (Verse 13 und 14)

Mit anderen Worten: Als der Gesang und die Musik ertönt, da geschieht ein Wunder. In drei Schritten.

(1) Gemeinschaft. Mit einmal klingt es so, als ob ganz Israel mit einer Stimme sänge und spiele. So spricht man von einer wunderbaren Erfahrung. Man beachte, wie das kleine Wörtchen »als« gebraucht wird! »als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme«
So wird gesagt: Die menschliche Sprache kann nur unzulänglich beschreiben, was den Sängern und Sängerinnen geschenkt wird, welche Einheit die Gemeinde ergreift.

(2) Gegenwart. Das Gotteslob erklingt und die Sänger und Sängerinnen klinken sich in die Heilsgeschichte ein. Mit einmal ist alles wieder da: Die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, die Rettung am Schilfmeer, der Zug durch die Wüste, das Gelobte Land. Die Sänger und Sängerinnen lassen das alte Bekenntnis frisch und neu erklingen. Da ist ja noch Luft drin! Die Tafeln in der Bundeslade haben immer noch eine Bedeutung für unser Verhalten und die Verhältnisse, denn Gott steht zu seinem Vertrag! Weshalb diese Vergangenheit immer noch eine Zukunft hat.
So wird gesagt: Den Sängerinnen und Sängern wird ein Ewiger Augenblick geschenkt; mit ihm tröstliche Gewissheit und lebendige Hoffnung!

(3) Herrlichkeit. Der weise König Salomo hat ein Heiligtum errichtet. Mit einem Altar und einem Allerheiligsten, in dem die Bundeslade steht, in der die Gründungsurkunde des Volkes ruht, von göttlicher Hand in Stein gemeißelt. Opfer werden gebracht, Dienste werden organisiert.
Aber erst, als der Gesang und die Musik erklingt, als einen ewigen Augenblick lang die Welt die Luft anhält, da erfüllt eine geheimnisvolle Wolke das geheiligte Gemäuer und mit ihr die Herrlichkeit des HERRN… Erst da wird der Tempel Salomos zum Haus des HERRN!

Ja, was wäre eine Kirche ohne Gesang und Musik? Immer noch ein Haus des HERRN?

So weit will ich gar nicht gehen! Aber ich denke schon an all’ die Lieder, die leichten Fußes über die Konfessionsgrenzen hinweg springen - und wenn wir sie singen, dann ahnen wir, welche Einheit uns verheißen ist und dass wir zu einem Großen Ganzen gehören. Ich denke an all’ die Lieder, die sich in den vergangenen Wochen auf unseren Lippen fanden… Waren Sie auch überrascht, wie frisch und neu die sich mit einmal anhörten? Als würde in uns ein Neues Lied angestimmt und hoffentlich recht bald in unseren Kirchen und Gemeinschaften…
…als Ahnung und Angeld auf den Tag, wo Gott alles in allem sein wird, wo Menschen aus Ost und West, Nord und Süd zusammen strömen im Reich Gottes, in der Hütte Gottes im Himmlischen Jerusalem – wo wir alle miteinander einstimmen werden in das Neue Lied, das uns schon immer vorgesungen wurde in der Tiefe unseres Herzens.

Bekenntnis des Glaubens

Ich lade dazu ein, einige Sätze der Zuversicht zu sprechen. Dietrich Bonhoeffer hat sie vor Jahr und Tag im Gefängnis formuliert; unter der Überschrift »Einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte«.

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will,wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete wartet und antwortet.

Lied: Geh’ aus, mein Herz

Wir singen das Lied »Geh’ aus, mein Herz«. Im Gesangbuch findet es sich unter der Nummer 503
Aber bitte nicht zu laut – Freude ist ansteckend!
Deshalb auch kein Audio.

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud / in dieser lieben Sommerzeit / an deines Gottes Gaben; / schau an der schönen Gärten Zier / und siehe, wie sie mir und dir / sich ausgeschmücket haben, / sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub, / das Erdreich decket seinen Staub / mit einem grünen Kleide; / Narzissus und die Tulipan, / die ziehen sich viel schöner an / als Salomonis Seide, / als Salomonis Seide.

Fürbitten und Vaterunser

Lasst uns für uns und für andere beten!

Gott, himmlischer Vater, wir wollen endlich wieder
miteinander in unseren Kirchen singen,
neue und alte Lieder, alle diese Lieder,
die wir dir singen, als deine Gemeinde,
in denen unser Glaube lebt, unsere Liebe, unsere Hoffnung.

Doch man sagt, das sei zu ansteckend!
Deshalb: verschlossen die Münder.
Deshalb: stumm die Instrumente.
Hier bei uns und an vielen Orten dieser Erde.

Aber unser Gebet können wir dir sagen,
gemeinsam vor dich treten, das vor dich bringen,
was uns bewegt, was dein Geist uns eingibt.

So bitten wir für all die Menschen, die krank sind
oder im Sterben liegen. Und für die Menschen,
die anderen dienen in Therapie und Pflege.

So bitten wir für all die Menschen, die sich sorgen
um die Seelen der Einsamen, die Verbindungen suchen
und Nähe schaffen, wo Trennung herrscht.

So bitten wir für all die Menschen, die in Sorge sind
um ihren Lebensunterhalt. Und für die Menschen,
die Verantwortung übernehmen für das wirtschaftliche Leben.

Wir sehnen uns zurück nach einem Leben mit frohen Liedern,
offenen Gesichtern und herzlichen Begegnungen,
so bitten wir dich: Komm uns entgegen, du unser Gott!

Amen.

Vater unser im Himmel…

Lied: Geh’ aus, mein Herz

Wir singen noch einmal zwei Strophen aus dem Lied »Geh’ aus, mein Herz«. Im Gesangbuch findet es sich immer noch unter der Nummer 503
Sie haben den Warnhinweis von wegen der Ansteckungsgefahr durch Freude nicht vergessen?

9. Ach, denk ich, bist du hier so schön / und läßt du's uns so lieblich gehn / auf dieser armen Erden: / was will doch wohl nach dieser Welt / dort in dem reichen Himmelszelt / und güldnen Schlosse werden, / und güldnen Schlosse werden!

10. Welch hohe Lust, welch heller Schein / wird wohl in Christi Garten sein! / Wie muß es da wohl klingen, / da so viel tausend Seraphim / mit unverdroßnem Mund und Stimm / ihr Halleluja singen, / ihr Halleluja singen.

Segen

Und wenn ihr jetzt wieder in die Zeit geht, geht mit dem Gott, bei dem ihr zur Ruhe kommt, der euch Tag für Tag neu belebt und bewegt.

Der Herr segne dich und behüte dich!
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.!

Sohren, 6. Mai 2020 19 Uhr

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