Evangelische Kirchengemeinden Sohren und Ober Kostenz

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Sohren:

Ober Kostenz:

Das siebte Licht steht bei Dir

Das Wort Isolation kommt von dem italienischen »isolare«, auf deutsch: zu einer Insel machen. Aber: »Niemand ist eine Insel«. In diesen Tagen und Wochen erleben wir das auf dramatische Art und Weise. Aktuell lautet das Gebot der Stunde: Abstand wahren. Sie merken schon: Ich sage nicht »In den Zeiten von Corona...«, sondern »Aktuell...« Wie ich mich auch nicht verabschiede mit »Bleiben sie gesund« (o.ä.) Sondern mit »Bleiben sie gesegnet«.

Im ersten Kapitel seiner Offenbarung erzählt der Seher Johannes von seiner Isolation auf der Insel Patmos (vgl zum Folgenden: Offb 1,9-20. Der römische Kaiser hatte ihn dorthin verbannt. Man muss sich die Situation des Sehers wie ein tiefes schwarzes Loch vorstellen. Vor allem an Sonntagen, also am Tag des Herrn, wenn alle anderen zusammenkommen und Gottesdienst feiern - da wird Johannes besonders heftig am Elend der Isolation gelitten haben.

<Bild von Duerer: 7 Leuchter>

Aber es kam dieser eine Sonntag, da veränderte sich alles. An diesem Tag des Herrn entführte der Geist Gottes den Johannes in eine andere Wirklichkeit. Die ist weder von dieser Welt noch ein Wolkenkuckucksheim.

Johannes bekommt einen Auftrag: Schreibe, was du siehst! Nur undeutlich macht er inmitten von sieben goldenen Leuchtern die Umrisse wie von einem »Menschensohn« aus, also einer überirdisch-mythischen Gestalt. Die Situation überwältigt den Seher. Der Menschensohn spricht ihn an – mit der vertrauten Stimme Jesu: »Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; ich war tot und siehe, ich lebe in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.« (Offb 1,17.18)

Der Geist Gottes reißt Johannes heraus schwarzen Loch der Isolation, versetzte ihn stattdessen hinein in einen Raum voller Geheimnis und Verheißung. Er begegnet dem Auferstandenen Jesus Christus und kommt wieder auf die Füße. Dass er einen Auftrag bekommt, lässt ihn verstehen: Selbst, wenn ich hier auf Patmos isoliert bin – es kommt doch auf mich an.

Im weiteren Verlauf wird außerdem klar: »die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden«.

Klar: Wir sind nicht »die sieben Gemeinden«!Aber: Jede und Jeder von uns kann sein Licht leuchten lassen.  Und: Wir scharen uns um die sechs Kirchtürme in Büchenbeuren, Gösenroth, Laufersweiler, Ober Kostenz, Sohren und Todenroth. Selbst dann, wenn wir die »schönen Gottesdienste im Hause des Herrn und seinen Tempel« nicht »betrachten« dürfen (vgl. Ps 27,4).

Unsere Sechs Kirchen stehen weiter für unsere Zuversicht. Für die Erwartung, dass der Geist Gottes uns spürbar verbindet. Für die Hoffnung, dass die Liebe Gottes alles überwindet; sei es Krankheit oder Verblendung, welche Not und welchen Tod auch immer. Für das Vertrauen, dass der auferstandene Jesus Christus inmitten unserer sechs Kirchtürme und sieben Leuchter geheimnisvoll gegenwärtig ist.

Jeden Sonn-und Feiertag werden wir jetzt um 10 Uhr die Glocken läuten, am Mittwochabend um 19 Uhr. Und wir werden dann auch in den sechs Kirchen für eine Zeit lang eine Kerze entzünden.Damit die Zuversicht uns nicht ausgeht. Es wäre schön, wenn auch Du dann Deine Kerze leuchten lässt. Dann werden es wieder sieben Leuchter sein. Ein weiter Raum für das Licht und das Leben. Ein Raum, in dem wir uns gemeinsam wieder finden.

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